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Vom Scheitern und Lernen

von: Daniela Jeanneret

Vom Scheitern und Lernen
Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als ich von meiner Wolke auf den harten Boden der Realität zurückmanövriert wurde. Der jugendliche Leichtsinn; die Welt gehöre mir, ich werde etwas hinterlassen und mit meinem Bestseller-Roman im Gedächtnis der Menschheit bleiben, hatte sich gänzlich in Luft aufgelöst.

Ich war ein Niemand. Leider musste ich um dies einzusehen erst meinen sicheren Job bei der Apotheke kündigen, um dann ein befristetes Praktikum bei einem Regionalblatt zu machen, da ich mir damals sicher war: ich wurde geboren um zu schreiben.
Tja, das RAV war da leider anderer Meinung. Plötzlich war ich nicht nur ein Niemand ohne Träume, sondern auch ein Niemand ohne Geld. Wie soll es nun mit mir weitergehen, fragte ich den RAV-Menschen, der mit einem bittersüssen Lächeln hinter dem Tresen stand und erwiderte: «Wenn sie nicht tun was wir sagen, dann gibt es kein Geld.» Gekränkt und um meine Existenz besorgt, ging ich nach Hause und kam zum Entschluss, dass ich dieses Spiel mitspielen musste. Ich war des Geldes wegen gezwungen, einen Standortbestimmungskurs, kurz STAO zu besuchen.

Da ich kurz nach meiner Ausbildung schon mal arbeitslos war, wusste ich ungefähr, worum es sich bei diesem Kurs handelt. Irgendjemand mit Universitätsabschluss, genügend Geld und wenig Erfahrung vom «richtigen» Leben, erzählte irgendetwas über Bewerbungsprozesse, Vorstellungsgespräche und die Pflicht, jeden Job anzunehmen, der einem angeboten wird.

Dementsprechend war meine Stimmung, als ich am Tag X mit meinesgleichen in einem Zimmer sass und den Menschen erwartete, der mir nun sagte, was ich zu tun habe. Doch auf diese Person wartete ich vergebens, denn vor mir stand eine sympathische und motivierte Person ( Frau Trommer), die mich in den ersten fünfzehn Minuten mit folgendem Satz überzeugt hatte: «Bitte sucht nur die Stellen aus, die euch auch wirklich interessieren. Wenn ihr einfach irgendetwas annehmt, dann werden wir uns hier wiedersehen.» Anders als die Anderen forderte sie uns dazu auf, unsere Wünsche und Ziele laut auszusprechen, und bestärkte uns anschliessend darin, diese auch zu verwirklichen. Mit vielen Denkspielen, Übungen und den originellsten Ideen für Bewerbungen sowie ihrer umfangreichen Fachkompetenz, fasste ich bereits am zweiten Tag Mut und begann wieder zu schreiben. Meine Bewerbung war durch den Kurs nicht nur auf dem neuesten Stand, sondern auch mit der nötigen Kreativität geschrieben, die es für meinen Beruf braucht. Dies ist etwas das immer bleibt und womit ich seither an viele Vorstellungsgespräche eingeladen wurde.

Ausserdem erstellte ich auf Ihren Ratschlag hin ein LinkedIn Profil, was sich immer mehr zu lohnen scheint. Es ist schon fast witzig, dass ich nach dem Kurs schweren Herzens aus der Klasse ging. Was mir bleibt ist allerdings eine dicke Mappe voller Ratschläge, die wirklich etwas bringen und Weisheiten einer Lehrperson, die weiss, wovon sie spricht.

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